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18.09.2022 | Sperlingskauzverbreitung und -vorkommen in S-H womöglich deutlich höher, als vermutet.

Der Sperlingskauz ist ein schwierig zu erfassender Brutvogel, dessen Verbreitung und Vorkommen sich auf wenige Bereiche in den großen Wäldern Schleswig-Holsteins beschränkt. Von dieser Annahme ist man bisher ausgegangen.

Bekannt ist, dass der Sperlingskauz in Schleswig-Holstein keine Nistkästen annimmt, dass er aufgrund seiner Größe und seines Verhaltens eher unauffällig ist und seine Balzaktivität nur bei windstillem Wetter wahrgenommen werden kann. Sein Revieranspruch ist zudem so groß, dass auch in größeren Wäldern mit geeignetem Habitat nur eine begrenzte Anzahl an Individuen Lebensraum findet.

Der Einsatz der Klangattrappe zum Nachweis des Vorkommens ist kein Indiz für dessen Nichtvorhandenseins, da der Vogel nicht generell auf die Klangattrappe reagiert.

Der gesicherte Nachweis gelang bisher in allen von uns überwachten Wäldern nur durch regelmäßiges Aufsuchen von Habitaten, in denen der Sperlingskauz bisher bekannt war, zufällige Sichtungen, und dem Einsatz der Klangattrappe, um dessen Reaktion zu provozieren. Dabei wurde meistens zu Zeiten des Tageslichts und in die Abenddämmerung hinein kontrolliert und nur selten sehr früh in den Morgenstunden.

Ein deutliches Indiz der stattfindenden Herbstbalz gelang bisher nicht.

Eher zufällig ergab sich in diesem September aber der tägliche frühmorgendliche Aufenthalt in einem Wald, in dem der Sperlingskauz bekannt war. Zur Überraschung wurde ein Vogel etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang intensiv balzend und umherfliegend gehört, wie er seinen bekannten Ruf gleicher Tonfrequenz mit gleichlangen Unterbrechungen sang, sowie die vornehmlich im Herbst und Winter zu hörende Tonleiter aufsteigender Töne von sich gab. Diese Balzaktivität war im Verlauf der folgenden Tage täglich etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang für etwa eine halbe Stunde zu hören. Danach verstummte der Vogel. An den Folgetagen konnten zudem mehrere Exemplare aus unterschiedlichen Richtungen und Entfernungen zu gleicher Uhrzeit und gleicher Aktivitätsdauer verhört werden.

Das war der Anlass großflächig den Wald und Wälder im Umkreis abzusuchen, mit dem Ergebnis, dass auch dort Sperlingskäuze in einer Anzahl nachgewiesen werden konnten, die uns überrascht hat.

Bisher ist nicht bekannt, wie lange die Herbstbalz dauert und ob die neue Erkenntnis auch auf weiter entfernte, größere Waldgebiete im Land, mit dem Lebensraum des Sperlingskauzes entsprechenden Habitats, Gültigkeit findet. Das bleibt nun herauszufinden.

Ebenso bleibt herauszufinden, ob und wie weit sich der frühmorgendliche Gesang, der u.a. zur Revierabgrenzung dient, auch auf Monate außerhalb der Balz ausdehnt. [NI]