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15. Januar 2026

Theorie und Praxis - ein Erlebnisbericht von unserer Gebietsbetreuerin für die Schleiereule Katja Witzke

Am Sonntag, 04.01.2026, klingelte um 19.00 Uhr mein Telefon: Eine Schleiereule war gegen eine Scheibe geflogen und lag nun reglos in einem Kelleraufgang. 

Die Eigentümerin des Hauses auf deren Dachboden sich eine Nisthilfe für die Schleiereule befindet, die von mir betreut wird, hatte den „Aufprall“ gehört, nachgeschaut und die Eule dort gefunden.

Also schnell Transportkarton, Handschuhe und ein altes Handtuch greifen und los. Nach 20 Minuten war ich vor Ort. Die Eule lag auf der Seite und guckte die Eigentümerin und mich mit großen Augen an, rührte sich aber nicht. Da sie schön länger in der Kälte lag, habe ich mich vorsichtig genähert. Keine Reaktion.Was also tun?

Im Erste-Hilfe-Kurs für Eulen im Wildpark Eekholt klang es damals ganz einfach: Eule einsammeln und zum Tierarzt, zur nächsten Pflegestation oder sofern die Eule nicht anderweitig untergebracht werden kann, nach Eekholt bringen. Ja, aber nicht am Sonntagabend um 20.00 Uhr. Da geht keiner mehr ans Telefon – ist ja auch verständlich.

Zum Glück haben wir in dem Kurs bei André Rose, dem langjährigen Leiter der Vogelpflegestation im Wildpark Eekholt und Vorstandsmitglied in unserem Verein, aber noch mehr gelernt und jetzt zeigte sich, dass es tatsächlich gar nicht so schwer ist. Ich habe die Eule mit einem Tuch abgedeckt und in den Transportkarton gelegt. Sie hat nur einmal kurz versucht nach mir zu hacken, war aber viel zu schwach.

Da auch kein tierärztlicher Notdienst erreichbar war, kam die Eule mit zu mir nach Hause. Jetzt wurde sie kurz begutachtet – Flügel, Beine, Brust – wie André es im Kurs beschrieben hatte. Für mich als Laie sah alles gut aus. Danach sollte sie im Karton erstmal zur Ruhe kommen. Nach drei Stunden lag sie noch immer wie tot auf der Seite und ich hatte sie schon aufgegeben. Am nächsten Morgen jedoch saß sie aufrecht im Karton und nach einem Telefonat mit dem Wildtier- und Artenschutzzentrum Klein Offenseth-Sparrieshoop war klar, dass ich sie am Abend wieder zurück auf den auf den Dachboden der Hauseigentümerin bringen würde. 

Ich habe ihr dann noch eine Maus organisiert, wie vom Wildtier- und Artenschutzzentrum empfohlen (die gibt es tiefgefroren beim Kleintierbedarf). Das war aber eine „Investition“, die sich nicht gelohnt hat. Denn die Schleiereule hat den ganzen Tag geschlafen und nicht mal reagiert, wenn ich in den Karton geschaut habe.

Am frühen Abend habe ich sie dann zurück auf den Dachboden der Hauseigentümerin gebracht und schon nach kurzer Zeit ist sie weggeflogen. Ob sie den Winter überstehen wird, weiß keiner – aber sie hat dank meines Engagements wenigstens eine zweite Chance.

Den Erste-Hilfe-Kurs im Wildpark Eekholt habe ich im Februar 2024 gemacht, bevor ich ein eigenes Gebiet übernehmen konnte und ich denke es zeigt, dass die Informationen von André Rose sehr nützlich und einprägsam waren. Danke dafür!

Autorin des Artikels: Katja Witzke
Co-Autor: Thomas Brunckhorst

Gebietsbetreuerin Katja Witzke mit Schleiereule