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Balzzeiten des Sperlingskauzes im Verlaufe eines Jahres (10.2024 bis 10.2025)

Ein Jahr lang wurde die Rufaktivität der Sperlingskauzpopulation im Segeberger Forst an über 55 unterschiedlichen Stellen dokumentiert. Die Rufzeiten und die Rufintensität der Individuen wurden in einer Liste vermerkt. Bis zu fünf Audiorekorder zeichneten täglich vier bis sechs Stunden lang auf: vor Sonnenaufgang, nach Sonnenuntergang und in der Nacht. Dabei variierten die Positionen der Audiorekorder, jedoch waren mindestens zwei Rekorder immer im Kerngebiet der Population installiert und während der Frühjahrsbalz waren alle Rekorder in der Nähe der Aktivitätsschwerpunkte oder der Höhlen der Individuen postiert. Tage ohne Aktivität waren vor allem auf starken Wind, Sturm und Regen zurückzuführen. Diese Tage fielen vor allem in das Winterhalbjahr und wurden aus der Liste gelöscht, sodass nur die Aktivitätstage protokolliert wurden. Die Skalierung der Datei wurde so gewählt, dass die gesamte Minute, in der ein Ruf erfasst wurde, markiert wurde – auch wenn der Ruf nur aus wenigen Folgen bestand.

Die herausragenden Erkenntnisse dieser Studie waren:

  • Der Sperlingskauz ruft durchgängig das ganze Jahr über,
  • Die Rufaktivität beginnt im Winterhalbjahr morgens etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang und dauert eine halbe Stunde, sowie abends ab Sonnenuntergang, vierzig Minuten lang.
  • Die Rufaktivität im Sommerhalbjahr beginnt morgens etwa eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang und dauert eine Stunde, sowie abends ab Sonnenuntergang für etwa vierzig Minuten.
  • Die Rufaktivität der Frühjahsbalz ist von etwa Mitte März bis Mitte April fast durchgängig durch die Nacht, beginnend etwa um drei Uhr nachts bis in den frühen Vormittag und abends von etwa zwanzig Uhr bis mindestens um elf Uhr nachts teilweise bis weit nach Mitternacht.
  • Die Rufaktivität tagsüber ist auch während der Frühjahrsbalz kaum ausgeprägt. Lediglich Kontaktrufe zwischen verpaarten Individuen sind zu hören.
  • Die markanten Tonleitergesänge beginnen bereits Anfang Juli und werden bereits Ende Oktober weniger, sind aber auch über den Winter sporadisch zu hören.
  • Die Herbstbalz ist wenig ausgeprägt. Das markanteste Merkmal sind die vermehrten Tonleiterrufe.
  • Die morgendliche Rufaktivität ist generell deutlich ausgeprägter, als die abendliche. 

pdfSperlingskauz_Aktivitätszeiten.pdf21/10/2025, 18:20


 

Wo sind die Sperlingskäuze ?

Liebe Sperlingskauz und Raufußkauzfreunde,

schon vier Jahre ist der letzte Nachweis eines Raufußkauzes im Land her. Die Sperlingskäuze hatten jedoch bisher eine kleine aber stabile Population im Segeberger Forst und es konnte in jedem Jahr mindestens ein Brutnachweis erbracht werden. Zudem konnte das Brutgeschehen in jedem Jahr gut anhand von Höhlenkontrollen und Fotos dokumentiert werden.

Bisher beschränkte sich die Suche nach den Raufußkäuzen und Sperlingskäuzen immer auf persönliche Waldbesuche, die zu den Rufzeiten weit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang stattfinden mussten. Ein außerordentliches persönliches Engagement, liebe zum Hobby Eulenschutz und Naturbeobachtungen und eiserne Disziplin, auch zu nachtschlafender Zeit in den Wald zu fahren, waren unerlässlich um die beiden Kleineulen aufzuspüren. Oftmals kollidierte die persönliche freie Zeit dann mit schlechtem Wetter, oder gutes Wetter mit einer anderen persönlichen Planung.

Seit letztem Jahr nutzen wir die Audiorekorder von Wildlife Acoustics großflächig und sind dadurch unabhängig vom Wetter und von unserer persönlichen Zeitplanung. Zudem nehmen die Rekorder über den gesamten, zuvor programmierten Zeitraum auf und bieten somit mehr als nur eine Momentaufnahme.

Das Ergebnis des ersten Jahres, in dem wir diese Geräte eingesetzt haben, war sehr positiv, und unsere Datenbasis und unser Wissen, insbesondere über den Sperlingskauz, wurden deutlich vergrößert. Ein gezielter Einsatz der Rekorder in identifizierten Sperlingskauzrevieren und in unmittelbarer Nähe der Nistbäume war möglich, ohne dass wir ständig vor Ort sein mussten.

In diesem Jahr habe ich insgesammt sechs Geräte bereits Anfang Januar im Segeberger Forst ausgebracht und beginnend am Waldrand hin zur Kernzone der bisherigen Sperlingskauzpoulation versucht Sperlingskäuze zu identifizieren. Die Hoffnung stieg je dichter ich an die bisherige Kernzone kam, jedoch musste ich von Woche zu Woche feststellen keinen Raufußkauz und vor Allem keinen Sperlingskauz in den Spektrogrammen der Audiodateien zu finden.

In ein paar Tagen beginnt die Brutzeit der Sperlingskäuze und die Frühjahrsbalz müsste ihren Höhepunkt erreicht haben. Sperlingskäuze rufen in diesen Tagen ausgiebig weit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang bis manchmal nach Mitternacht. 

Im Jahr 2025 konnten in Schleswig-Holstein noch sieben Reviere des Sperlingskauzes identifiziert werden. Allein im Segeberger Forst waren es fünf Reviere. Es kam jedoch nur zu einer Brut, bei der das Sperlingskauzweibchen mutmaßlich einem Waldkauz zum Opfer fiel. Dies wurde durch eine eindeutige Aufnahme eines angebrachten Audiorekorders belegt.

Wie auch in unserer Verbandszeitschrift „EulenWelt 2026“ nachzulesen ist, balzten die vier weiteren Revierinhaber, ohne dass sich ein Weibchen einfand. Die Aufnahmen belegen außerdem, dass Sperlingskäuze vereinzelt noch bis Mitte Oktober 2025 zu hören waren. Somit ist zu befürchten, dass sie mangels Weibchen noch im Winter 2025 abgewandert sind und auch an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, zwischen Bergholzer Forst und Langenlehstener Tannen konnte bisher kein Sperlingskauz nachgewiesen werden.

Gemäß den in Ornitho.de gemeldeten Brutzeitbeobachtungen der letzten acht Jahre ist die Population des Sperlingskauzes bundesweit nicht bedroht. Im Gegenteil, es gibt einen Anstieg an Beobachtungen und Brutnachweisen. Ich hoffe, dass sich nach dem Ausfliegen der Jungvögel der nun beginnenden Brutperiode auch bei uns wieder Sperlingskäuze einfinden und im kommenden Jahr brüten werden.

Christian Nickel