Wo sind die Sperlingskäuze ?
Liebe Sperlingskauz und Raufußkauzfreunde,
schon vier Jahre ist der letzte Nachweis eines Raufußkauzes im Land her. Die Sperlingskäuze hatten jedoch bisher eine kleine aber stabile Population im Segeberger Forst und es konnte in jedem Jahr mindestens ein Brutnachweis erbracht werden. Zudem konnte das Brutgeschehen in jedem Jahr gut anhand von Höhlenkontrollen und Fotos dokumentiert werden.
Bisher beschränkte sich die Suche nach den Raufußkäuzen und Sperlingskäuzen immer auf persönliche Waldbesuche, die zu den Rufzeiten weit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang stattfinden mussten. Ein außerordentliches persönliches Engagement, liebe zum Hobby Eulenschutz und Naturbeobachtungen und eiserne Disziplin, auch zu nachtschlafender Zeit in den Wald zu fahren, waren unerlässlich um die beiden Kleineulen aufzuspüren. Oftmals kollidierte die persönliche freie Zeit dann mit schlechtem Wetter, oder gutes Wetter mit einer anderen persönlichen Planung.
Seit letztem Jahr nutzen wir die Audiorekorder von Wildlife Acoustics großflächig und sind dadurch unabhängig vom Wetter und von unserer persönlichen Zeitplanung. Zudem nehmen die Rekorder über den gesamten, zuvor programmierten Zeitraum auf und bieten somit mehr als nur eine Momentaufnahme.
Das Ergebnis des ersten Jahres, in dem wir diese Geräte eingesetzt haben, war sehr positiv, und unsere Datenbasis und unser Wissen, insbesondere über den Sperlingskauz, wurden deutlich vergrößert. Ein gezielter Einsatz der Rekorder in identifizierten Sperlingskauzrevieren und in unmittelbarer Nähe der Nistbäume war möglich, ohne dass wir ständig vor Ort sein mussten.
In diesem Jahr habe ich insgesammt sechs Geräte bereits Anfang Januar im Segeberger Forst ausgebracht und beginnend am Waldrand hin zur Kernzone der bisherigen Sperlingskauzpoulation versucht Sperlingskäuze zu identifizieren. Die Hoffnung stieg je dichter ich an die bisherige Kernzone kam, jedoch musste ich von Woche zu Woche feststellen keinen Raufußkauz und vor Allem keinen Sperlingskauz in den Spektrogrammen der Audiodateien zu finden.
In ein paar Tagen beginnt die Brutzeit der Sperlingskäuze und die Frühjahrsbalz müsste ihren Höhepunkt erreicht haben. Sperlingskäuze rufen in diesen Tagen ausgiebig weit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang bis manchmal nach Mitternacht.
Im Jahr 2025 konnten in Schleswig-Holstein noch sieben Reviere des Sperlingskauzes identifiziert werden. Allein im Segeberger Forst waren es fünf Reviere. Es kam jedoch nur zu einer Brut, bei der das Sperlingskauzweibchen mutmaßlich einem Waldkauz zum Opfer fiel. Dies wurde durch eine eindeutige Aufnahme eines angebrachten Audiorekorders belegt.
Wie auch in unserer Verbandszeitschrift „EulenWelt 2026“ nachzulesen ist, balzten die vier weiteren Revierinhaber, ohne dass sich ein Weibchen einfand. Die Aufnahmen belegen außerdem, dass Sperlingskäuze vereinzelt noch bis Mitte Oktober 2025 zu hören waren. Somit ist zu befürchten, dass sie mangels Weibchen noch im Winter 2025 abgewandert sind und auch an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, zwischen Bergholzer Forst und Langenlehstener Tannen konnte bisher kein Sperlingskauz nachgewiesen werden.
Gemäß den in Ornitho.de gemeldeten Brutzeitbeobachtungen der letzten acht Jahre ist die Population des Sperlingskauzes bundesweit nicht bedroht. Im Gegenteil, es gibt einen Anstieg an Beobachtungen und Brutnachweisen. Ich hoffe, dass sich nach dem Ausfliegen der Jungvögel der nun beginnenden Brutperiode auch bei uns wieder Sperlingskäuze einfinden und im kommenden Jahr brüten werden.
Christian Nickel



