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2020 - Gebietsbetreuer-Tagebuch

2020 – Das Gebietsbetreuer-Tagebuch

Es handelt sich bei diesem Dokument um keine wissenschaftlich fundierte Arbeit. Berichtet werden persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse von Gebietsbetreuerinnen und -betreuer für die Schleiereule. Es richtet sich daher auch an Laien und interessierte Eulen-Freunde.
Text und Fotos (wenn nicht anders vermerkt): Achim Busekros

Ich betreue in diesem Jahr in drei Gebieten im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in einigen angrenzenden Ortschaften im Kreis Steinburg insgesamt 137 Schleiereulen-Nistkästen (NK) an 117 Standorten.

April 2020

Das Wetter im April in SH war sonnenreich und viel zu trocken mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, vor allem in der ersten Monatshälfte mit häufigen Nachtfrösten. Gemäß DWD,  Agrarmeteorologischer Monatsrückblick im April – Region Nord, trocknetem vor allem die oberen Bodenschichten bei zeitweise windigem Wetter aus. Erst die letzten Tage brachten etwas Niederschlag, trotz allem bestand flächendeckend ein Niederschlagsdefizit von 50 - 70 %.

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen im April führte ich keine Kontrollfahrten durch. Anrufe von einigen Nistkastenbesitzern deuten aber daraufhin, dass ein erfolreiches Jahr für die Schleiereule (SE) bevorstehen könnte. So treten an Standorten, die zum Teil 10-15 Jahre nicht mehr durch die SE belegt waren, ein oder gar zwei Vögel auf und beziehen die NK. Allem Anschein nach hat das trockene April-Wetter der Mäusepopulation gut getan, so dass zumindest in manchen Regionen ein gutes Nahrungsangebot vorhanden ist.

März 2020

Zunächst setzte sich im März die starke Tiefdrucktätigkeit mit windigem, niederschlagsreichem und recht mildem Wetter fort, bevor etwa ab Monatsmitte Hochdruckeinfluss mit viel Sonnenschein das Wettergeschehen bestimmte. Dabei strömte am Rand eines Hochs mit starkem Ostwind polare Kaltluft aus Nordosteuropa ein. Infolgedessen blieben die Maxima trotz uneingeschränkten Sonnenscheins oft im einstelligen Bereich und nachts traten verbreitet leichte bis mäßige Fröste auf. Vielerorts wurden die tiefsten Werte des ganzen Winterhalbjahres erreicht. Lediglich am 27. und 28. wurde es vorübergehend milder. Insgesamt verlief der März in Norddeutschland mehr als 1 K zu mild, in den meisten Regionen etwas zu trocken bei überdurchschnittlich viel Sonnenschein (aus: Deutscher Wetterdienst, Monatlicher Klimastatus Deutschland, März 2020, Region Nord, Seite 12).
Erste Freilandbegehungen in den Kreisen Steinburg und Rendsburg-Eckernförde Ende März ergaben für einige Geestbereiche in vielen Knicks, Brachen, Feldrändern, Böschungen und Gräben befahrene Wühlmauslöcher und Laufgänge. Auch befragte Landwirte sprechen von einem weiterhin erhöhten Aufkommen in beiden Kreisen. Gründe für die teilweise sehr gute Nahrungssituation für Beutegreifer können neben der Mäusegradation der sehr trockene Sommer 2019 und der ausgebliebende nachfolgende Winter sein. Allerdings sind auch durch die anhaltende Feuchtigkeit von November bis Februar 2020 in vielen Niederungsbereichen Wühlmäuse in ihren Gängen und Höhlen umgekommen (MECKEL).
Mittlerweile hat es sich hier in der Gegend herumgesprochen, dass ich mich ehrenamtlich im Eulenschutz engagiere. So werde ich nicht nur von „meinen“ Nistkastenbesitzern zum Beispiel im Supermarkt über Eulensichtungen angesprochen, es kommen auch telefonische Anfragen von anderen Leuten. Und diese Anfragen beziehen sich nicht nur auf Eulen sondern zum Beispiel auch auf Turmfalken, die bekanntermaßen die „Hauptmieter“ unserer Nistkästen sind. Aber auch bei Notfällen werde ich kontaktiert.
Mitte März erreichte mich über Umwege der Hilferuf einer alten Dame, die in einer kleinen Siedlung am Waldrand wohnt. Seit einigen Tagen vernahm sie merkwürdige Geräusche aus ihrem Schornstein. Im Laufe der Tage erhärtete sich ihr Verdacht, dass es ein Waldkauz sein könnte, der im Schornstein gefangen war. So machte ich mich abends auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich saß in der verschlossenen Reinigungsöffnung im Keller ein adulter Waldkauz. Den beiden ersten Fangversuchen konnte er noch entkommen, indem er vielleicht einen Meter im Schornstein hoch flatterte bzw. kletterte. Beim dritten Versuch reichte vermutlich die Kraft nicht mehr und er blieb unten sitzen. Ich brachte ihn mit einem Kescher nach draußen, setzte ihn vor der Haustür ab und öffnete den Kescher. Er befreite sich in wenigen Sekunden und flog schnurstracks ab in den Wald.

2020 03 12 WK in SchornsteinWK sitzt auf dem Boden des Schornsteins hinter der geöffneten Kontrollklappe
Der Vorfall belegt, dass nicht nur Dohlen in den Schornsteinen gefangen werden können sondern auch Eulen. Des Weiteren zeigt er auch die Notwendigkeit auf, die Schornsteinmündung mittels eines Gitters zu versperren.

Bei der Bergung von WK aus Schornsteinen ist zu berücksichtigen, wie verrußt der Schornstein ist. Ist der Schornstein in Nutzung und der Vogel schon längere Zeit gefangen, ist die Gefahr einer Staublunge imminent. In diesem Fall kann die Behandlung durch einen entsprechend ausgebildeten Tierarzt notwendig sein. Auch eine starke Verschmutzung des Gefieders ist möglich. Dieses sollte mit Wasser, lauwarm und mit etwas Shampoo, und einer weichen Bürste gereinigt werden. Anschließend kann es vorsichtig trocken geföhnt werden (MECKEL).

Kontrollfahrten führte ich im März aufgrund der bekannten Lage nur in Einzelfällen nach Rücksprache mit den Nistkastenbesitzern und unter strenger Einhaltung der Kontakteinschränkung durch.
Eine Woche später fuhr ich zu drei Schleiereulen-Nistkästen, die aufgrund ihrer waldnahen Lage prädestiniert für Waldkäuze erschienen. Motiviert wurde ich durch die Übermittlung eines Fotos einer Nistkastenbesitzerin, auf dem ein Waldkauz bei Dunkelheit aus dem Flugloch schaute.
Zu meiner freudigen Überraschung fanden sich in allen drei NK Bruten des Waldkauzes. In einem NK waren schon vier Jungvögel geschlüpft und waren im geschätzten Alter von ca. 15 Tagen. Der errechnete Brutbeginn liegt daher Anfang Februar. Der weitere erfreuliche Aspekt war der, dass wir einen der NK erst Mitte Januar an die Außenwand der Scheune umgebaut hatten, und etwa einen Monat später war er schon vom Waldkauz angenommen.

2020 03 21 WK Brut in SE NKWK-Brut mit vier JUV

Einige Tage später informierte mich ein NK-Besitzer über die Sichtung einer Eule am Flugloch seines NK. Diesen NK haben wir auch erst im November 2019 dort installiert. Aufgrund der Lage der aus wenigen Höfen bestehenden Ansiedlung am Waldrand erschien eine Belegung durch Waldkauz nicht unwahrscheinlich. Es war aber ein Schleiereulen-Paar im NK. Diese verließen den NK bei der Kratzprobe (siehe Video). Es ist wahrscheinlich der außergewöhnlich guten Entwicklung im Jahre 2019 zu verdanken, dass dieser neu installierte NK schon nach wenigen Monaten von den SE angenommen wurde. Die SE suchten sich ein neues Revier und haben es gefunden.

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Schleiereulen verlassen NK (Video mit freundlicher Genehmigung von Sonja Böcker)

Januar-Februar 2020

Das Wetter war in den beiden Monaten hier in Schleswig-Holstein zumeist regnerisch und für die Jahreszeit zu mild. Gemäß Deutschen Wetterdienst fiel im Februar 2020 im Vergleich zum Mittelwert der letzten 100 Jahre fast drei Mal so viel Niederschlag, fast ausschließlich als Regen. Bereits im Januar überstieg die Niederschlagsmenge in Schleswig-Holstein bereits diesen Mittelwert.
Möglicherweise wirkt sich das milde Klima positiv auf die Mäuselage und somit auf die Nahrungssituation für die Eulen aus. Im Fernsehen wurde bereits über eine Mäuseplage im Nordwesten von Niedersachsen berichtet (ZDF heute vom 07.02.2020, radiobremenTV Regionalmagazin vom 28.02.2020).
In einigen Gebieten standen (Feucht-)wiesen wochenlang unter Wasser. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich dieser Wasserstand auf die Wühlmauspopulation ausgewirkt hat.
Wie bereits in den beiden letzten Monaten des Jahres 2019 waren auch diese Monate von Reparaturen und Reinigung sowie Anbringung bzw. Umbau von Nistkästen geprägt.
Des Weiteren stand die „Büroarbeit“ an. Die Übersichtslisten und Routenpläne wurden für das neue Jahr überarbeitet.