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2021 - Gebietsbetreuer-Tagebuch

Es handelt sich bei diesem Dokument um keine wissenschaftlich fundierte Arbeit. Berichtet werden persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse von Gebietsbetreuerinnen und -betreuern für die Schleiereule. Es richtet sich daher auch an Laien und interessierte Eulen-Freunde.
Text und Fotos (wenn nicht anders vermerkt): Achim Busekros

Ich betreue in diesem Jahr in zwei Gebieten im Kreis Rendsburg-Eckernförde insgesamt 112 Schleiereulen-Nistkästen an 91 Standorten.

Genutzte Abkürzungen: SE=Schleiereule, WK=Waldkauz, TF=Turmfalke, NK=Nistkasten, JUV=Jungvogel-/vögel

Januar - Februar 2021

Auf ein Neues! Das neue Jahr hat begonnen. Was wird es uns und vor allem unseren Schützlingen so alles bringen?

Die ersten beiden Monate hatten nur wenige erfreuliche Nachrichten für uns.

Unser ehemaliger 1. Vorsitzender Hans-Dieter MARTENS erhielt im Januar und Februar von der Vogelwarte Helgoland Ringfundmeldungen über zwei tote SE, die von ihm im Juli 2020 im Bereich Dänischer Wohld jeweils als Nestlinge beringt wurden.

Die erste Eule wurde am 21.11.2020 in den Niederlanden in APELDOORN (Provinz Gelderland) aufgefunden. Sie hatte somit in ca. vier Monaten eine Strecke von über 360km (Luftlinie zwischen Beringungs- und Fundort) zurückgelegt.

Die zweite tote SE wurde am 14.01.2021 in Dänemark bei SØNDERSØ (Provinz Syd Danmark) aufgefunden. Sie wurde nur gut sechs Monate alt und starb in 113km (Luftlinie) von ihrem Geburtsort. Die zurückgelegte Flugstrecke (gestrichelte Linie) dürfte aber bei über 180km gelegen haben, da SE nicht über eine große Wasserfläche wie die Ostsee fliegen.

Wiederfunde

In der Regel verlassen junge SE ihren Geburtsort, suchen sich aber in einem Umkreis von maximal 50km Entfernung ein neues Revier. Ausnahmen davon sind aber keine Besonderheit:

„Von 1950 bis 2008 gab es in dem Material der Vogelwarte Helgoland 8363 Wiederfunde von nestjung beringten Schleiereulen. Davon hatten 1547 bis zum Wiederfund >100 km zurückgelegt. (KNIPRATH, Eulen-Rundblick Nr. 60 – April 2010)“

Gemäß dieser Daten haben knapp 20% der SE eine Strecke von über 100km zurückgelegt.

„Ringfundauswertungen zeigen, dass etwa zwei Drittel aller Wanderungsbewegungen innerhalb eines Radius von 50 km um den Geburtsort enden. Die Wanderungen können jedoch auch erheblich weiter führen. In Baden-Württemberg beringte Vögel wurden noch im ersten Lebensjahr beispielsweise an der holländischen Küste, in Südfrankreich oder in Spanien wieder aufgefunden. (www.biologie-seite.de/Biologie/Schleiereule)“

Beide SE waren Verkehrsopfer. Der Straßenverkehr gehört mittlerweile zu den größten Gefahrenquellen für die SE.

„Ulrike Sauter konnte anhand baden-württembergischer Ringfunde bereits 1956 nachweisen, dass ... 42,5% aller tot aufgefundenen SE Verkehrsopfer waren. Untersuchungen aus den 70er und 80er Jahren zeigen, dass in ganz Mittel- und Westeuropa … etwa 75% der Todfunde dem Straßenverkehr anzulasten sind …. (EPPLE, Schleiereulen, 1993, S.85)“.

Für ein weiteres negatives „Highlight“ sorgte der kurzzeitige Wintereinbruch von Anfang – Mitte Februar. Einige Landwirte meldeten uns tot aufgefundene oder stark geschwächte SE auf ihrem Hof.

Bekanntermaßen überleben nur wenige junge SE, wie es auch bei anderen Vogelarten der Fall ist, das 1. Lebensjahr. Speziell den Winter über sterben auch viele SE aufgrund Nahrungsmangel oder Krankheiten, neben den anderen Haupt-Ursachen wie Straßenverkehr und Prädatoren. Die Anzahl der Fundmeldungen hat sich in diesem Zeitraum auch erhöht, weil die SE als Kulturfolger sich in und an den landwirtschaftlichen Gebäuden aufhält und auch aufgrund ihrer Größe leichter auffindbar ist, als z.B. kleine Singvögel. Zudem zeigt sich glücklicherweise auch ein zunehmendes Bewusstsein für das Schicksal der SE in der Bevölkerung.

20210213 SE Paar in Scheune20210213 SE Paar nah

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Iris Postel vom 13.02.2021
Foto links: So könnte eine für die SE geeignete Scheune aussehen (hinten auf dem Balken sitzen sie).
Rechts (Ausschnitt aus dem linken Foto): Sehr schön zu erkennen, das etwas größere und oft an der Brust dunkler gefärbte Weibchen (links). Die Paarbindung scheint erfolgreich vollzogen zu sein.